Die Kelten auf dem Wunnenstein
Wächter über dem Bottwartal
Wer heute auf dem Wunnenstein steht und den Blick über das Bottwartal schweifen lässt, erkennt sofort, warum dieser Berg Menschen seit Jahrtausenden angezogen hat. Die weite Sicht über die Täler, die natürlichen Steilhänge und die beherrschende Lage machten den Berg zu einem idealen Ort für Siedler, Wächter und möglicherweise auch für Priester.
Lange bevor Weinbauern die Hänge bewirtschafteten und bevor auf dem Gipfel die Michaelskirche entstand, dürften bereits die Kelten den Wunnenstein als besonderen Ort betrachtet haben.
Ein Berg mit uralter Geschichte
Archäologische Funde zeigen, dass die Umgebung des Wunnensteins schon in vorgeschichtlicher Zeit genutzt wurde. Während der keltischen Epoche zwischen etwa 800 und 100 v. Chr. war das Neckarland dicht besiedelt. Bedeutende Höhensiedlungen, Handelswege und Grabhügel zeugen von einer hoch entwickelten Kultur.
Der Wunnenstein lag dabei an einem strategisch wichtigen Punkt zwischen Neckar-, Bottwar- und Schozachtal. Von hier aus konnten Reisende, Händler und fremde Gruppen frühzeitig erkannt werden. Wahrscheinlich bestand auf dem Berg oder in seiner unmittelbaren Nähe eine befestigte Anlage, die Schutz und Kontrolle zugleich bot.
Die Herren der Grabhügel
Im Umfeld des Wunnensteins finden sich mehrere Grabhügel, die den Kelten zugeschrieben werden. Solche Hügel waren keine gewöhnlichen Friedhöfe. Hier wurden häufig Stammesführer, angesehene Krieger oder wohlhabende Familien bestattet.
Mit den Toten gab man oftmals wertvolle Beigaben ins Grab:
Schwerter und Lanzen
Schmuck aus Bronze
Keramikgefäße
Werkzeuge des täglichen Lebens
Diese Funde zeigen, dass die Menschen im Bottwartal Teil einer weitreichenden Kultur waren, die von Frankreich bis Böhmen reichte.
Der Wunnenstein als Heiliger Berg
Für die Kelten waren markante Berge oft Orte mit besonderer spiritueller Bedeutung. Die Nähe zum Himmel, die weite Aussicht und die Naturkräfte verliehen solchen Orten eine besondere Ausstrahlung.
Möglicherweise fanden auf dem Wunnenstein Zeremonien statt:
Sonnenwendfeiern
Opfergaben für Gottheiten
Versammlungen der Stammesgemeinschaft
Beobachtungen von Sonne und Jahreszeiten
Sichere Belege dafür fehlen zwar, doch die exponierte Lage spricht dafür, dass der Berg mehr war als nur ein militärischer Beobachtungspunkt.
Als die Römer kamen
Im 1. Jahrhundert nach Christus erreichten die Römer den Neckarraum. Viele keltische Traditionen verschwanden nicht sofort. Oft nutzten die Römer bestehende Siedlungs- und Kultplätze weiter.
Auf dem Wunnenstein wurden römische Spuren entdeckt. Deshalb vermuten Historiker, dass der Ort seine besondere Bedeutung auch unter römischer Herrschaft behielt. Manche Fachleute halten sogar einen keltisch-römischen Kultplatz auf dem Berg für denkbar.
Das Erbe der Kelten im Bottwartal
Auch wenn heute keine mächtigen Mauern mehr sichtbar sind, haben die Kelten ihre Spuren hinterlassen. Wer aufmerksam durch die Wälder rund um den Wunnenstein wandert, begegnet den stillen Zeugen dieser Zeit: den Grabhügeln, alten Geländestrukturen und den jahrtausendealten Wegen durch die Landschaft.
Der Wunnenstein verbindet wie kaum ein anderer Ort im Bottwartal Natur, Geschichte und Mythos. Er erinnert daran, dass schon vor über 2.000 Jahren Menschen auf diesem Berg standen und denselben Blick genossen wie wir heute.